Book Series

about

In 2009, Eckart Goebel and Paul Fleming from the German Department at NYU initiated in close cooperation with their co-editor John T. Hamilton (Harvard) a new book series at the prestigious publishing house Wallstein Verlag (Göttingen). Planned to release two volumes per year, the Manhattan Manuscripts are meant to provide a wider German speaking audience with the results of recent research on German Literary and Cultural history, conducted in the USA.

 

9783835316096l

AUTORBIOGRAPHIE
Eckart Goebel, geb. 1966, ist Professor am German Department der New York University sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin 2013/14.
Publikationen u.a.: »Charis und Charisma. Grazie und Gewalt von Winckelmann bis Heidegger« (2006), »Jenseits des Unbehagens. Sublimierung von Goethe bis Lacan« (2009).

KURZTEXT
»Doktor Faustus« kann nur der Deutschland-Roman sein, der er ist, weil er als deutsch-französischer Roman konstruiert und durchgeführt wurde. 

Dieses Buch bietet eine Neulektüre von Thomas Manns ›Deutschland-Roman‹: Überzeugend zeigt Eckart Goebel, dass sich Victor Hugos Roman »Der Glöckner von Notre-Dame« (1831) als ein weiterer Referenztext des »Doktor Faustus« lesen lässt. Mit Blick auf die ›klassischen‹ kulturhistorischen Studien Meineckes, Plessners und Lacoue-Labarthes beleuchtet Goebel einleitend die deutsch-französischen ›Kulturkriege‹, um das Verständnis für die politischen und kulturellen Grundlagen von Thomas Manns Altersroman zu erweitern. Der Verlauf der (Kranken-)Vita Adrian Leverkühns ist präzise an Eckdaten der seit 1871 ›vergifteten‹ deutsch-französischen Beziehungen gekoppelt. Anhand dieser Verknüpfung bestätigt Goebel eine umstrittene These zum »Doktor Faustus« mit neuer Begründung: Das ›Gift der Franzosenkrankheit‹ stiftet die allegorische Parallele zwischen dem deutschen Tonsetzer und seinem Land. Deutlich erkennbar wird in der vorliegenden Interpretation zudem die literarische Abbitte Thomas Manns an seinen Bruder Heinrich – als Widerruf der »Betrachtungen eines Unpolitischen« von 1918.

Arendt

AUTORBIOGRAPHIE
Ulrich Baer, geb. 1966, ist Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft und Vice Provost für Geisteswissenschaften, Künste und Gleichstellung an der New York University. 

Amir Eshel, geb. 1965, ist Professor für humanistische Studien sowie für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University.

KURZTEXT
Die Beiträge loten Hannah Arendts Denken aus, das sich in einem Grenzbereich zwischen den Disziplinen bewegt und doch den Begriff der Interdisziplinarität sprengt. 

Die Bedeutung von Hannah Arendts Denken auch für unser Zeitalter beruht auf ihrem bedingungslosen Anspruch, die konkreten Probleme der Welt um jeden Preis zu verstehen. Deshalb verlässt ihre Arbeit oft die Disziplin der Politikwissenschaft. Um der Welt gerecht zu werden, denkt Arendt in einem Gebiet zwischen Politik und Philosophie, zwischen Theorie und Literatur, zwischen Amerika und Europa, zwischen Analyse und Essay.Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes untersuchen die Konturen dieses Grenzbereichs. Sie zeigen Arendts unerbittlichen Einsatz für das Verstehen, das ihrem Denken seine Schärfe und Originalität verleiht.

Buddha

AUTORBIOGRAPHIE
Heinrich Detering, geb. 1959, ist nach Lehrtätigkeit an den Universitäten in Irvine, München und Kiel Professor für Neuere deutsche Literatur an der Georg-August-Universität Göttingen. 2003 erhielt er den »Preis der Kritik« von Hoffmann und Campe und 2009 wurde er mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Seit 2011 ist er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.Er ist u.a. Mitherausgeber der kommentierten Ausgabe der Werke, Briefe und Tagebücher von Thomas Mann und Autor eines Buchs über Bob Dylan.Maren Ermisch, geb. 1976, studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Anglistik, seit 2009 arbeitet sie als Literaturwissenschaftlerin in Göttingen und wirkt dort unter anderem an der Großen Brandenburger Ausgabe der Werke Theodor Fontanes mit.Pornsan Watanangura, geb. 1950, em. Professorin für Neuere deutsche Literatur und Angewandte Linguistik an der Chulalongkorn University/Bangkok. Sie leitete das Projekt der Übersetzung von Thomas Manns frühen Erzählungen ins Thai und publizierte zur deutschen Literatur von der Goethezeit bis zur Frühen Moderne.

KURZTEXT
Rezeption und Transformation des Buddhismus in der deutschen und skandinavischen Literatur der Frühen Moderne - von Wagner bis zu Hermann Hesse und Bertolt Brecht.

In der deutschen Literatur gehört die eigenwillige Adaptation und Transformation des Buddhismus zu den wesentlichen Horizonterweiterungen der Frühen Moderne. Seit Schopenhauers Willensphilosophie und seit Pionierarbeiten der deutschen Buddhismuskunde wird die Berufung auf Bilderwelten und Denkfiguren buddhistischer Traditionen zu einem produktiven Teil literarischer und philosophischer Diskurse. Im Bereich der »Hochliteratur« reicht das Spektrum der Adaptationsformen von Wagners Musikdramen bis zu Strindbergs Aufnahme buddhistischer Elemente in seine Schauspiele, vom buddhistischen Legendenroman »Der Pilger Kamanita« des dänisch-deutschen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Karl Gjellerup bis zu Hermann Hesses »Siddhartha«, Rilkes Buddha-Gedichten, Brechts »Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus«, bis zu Thomas Manns frühen Erzählungen und seiner späten Legendenparodie »Die vertauschten Köpfe«. Literaturwissenschaftler, Religionshistoriker und Philosophen aus Asien, Europa und den USA stellen vor dem Hintergrund unterschiedlicher religiöser, kultureller und wissenschaftlicher Traditionen die Ergebnisse des internationalen Forschungsvorhabens »Buddhism in World Language and Literature« vor.

Helfer

AUTORBIOGRAPHIE
Ulrich Baer, geb. 1966, ist Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft und Vice Provost für Geisteswissenschaften, Künste und Gleichstellung an der New York University. 

Amir Eshel, geb. 1965, ist Professor für humanistische Studien sowie für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University.

KURZTEXT
Die Beiträge loten Hannah Arendts Denken aus, das sich in einem Grenzbereich zwischen den Disziplinen bewegt und doch den Begriff der Interdisziplinarität sprengt. 

Die Bedeutung von Hannah Arendts Denken auch für unser Zeitalter beruht auf ihrem bedingungslosen Anspruch, die konkreten Probleme der Welt um jeden Preis zu verstehen. Deshalb verlässt ihre Arbeit oft die Disziplin der Politikwissenschaft. Um der Welt gerecht zu werden, denkt Arendt in einem Gebiet zwischen Politik und Philosophie, zwischen Theorie und Literatur, zwischen Amerika und Europa, zwischen Analyse und Essay.Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes untersuchen die Konturen dieses Grenzbereichs. Sie zeigen Arendts unerbittlichen Einsatz für das Verstehen, das ihrem Denken seine Schärfe und Originalität verleiht.

Helfer

AUTORBIOGRAPHIE
Martha B. Helfer, geb. 1962, ist Professorin am German Department der Rutgers University, New Jersey.Veröffentlichungen u. a.: The Retreat of Representation: The Concept of Darstellung in German Critical Discourse (1996).

KURZTEXT

Eine radikale Neuinterpretation kanonischer literarischer Werke des 18. und 19. Jahrhunderts.

Den in Struktur und Form nachweisbaren Antisemitismus von Texten wie Schillers »Die Sendung Moses«, Achim v. Arnims »Isabella von Ägypten«, Annette von Droste-Hülshoffs »Judenbuche« hat die Germanistik zumeist ausgeblendet.
Martha B. Helfer legt in diesen und weiteren ausgewählten Werken des 18. und 19. Jahrhunderts eine latent antisemitische Bedeutungsschicht frei. Auch wenn antisemitische Einstellungen einiger der untersuchten Autoren bereits thematisiert wurden, gelten die meisten noch immer als unpolitisch oder philosemitisch. »Das unerhörte Wort« widerlegt diese Zuschreibung nicht, macht sie aber als unangemessene Vereinfachung kenntlich. Helfers textnahe Lektüren sind eingebettet in eine Darstellung des geistesgeschichtlichen Kontexts, der von der Debatte um die Judenfrage geprägt ist: Zwischen 1749 und 1850 führte das intellektuelle Deutschland hitzige Diskussionen über die Emanzipation der Juden. Sie werfen ein neues Licht auf wichtige Werke der Aufklärung, des Sturm und Drang, der Klassik, der Romantik, des Biedermeier und des Realismus. Der hier nachgewiesene latente Antisemitismus kann nun nicht länger ignoriert werden.

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AUTORBIOGRAPHIE
Thorsten Carstensen, geb. 1979, bis 2012 Lehrbeauftragter am Department of German der New York University, seit 2012 Assistant Professor an der Indiana University - Purdue University Indianapolis (IUPUI). Wissenschaftliche Publikationen zu Peter Handke, Hermann Broch, J. M. Coetzee und Wes Anderson. Zus. mit Nicholas Jacobs Herausgeber der ersten ungekürzten englischen Übersetzung von Hans Falladas Roman »Wolf unter Wölfen« (Wolf Among Wolves, 2010).

KURZTEXT
Die romanische Architektur des Mittelalters als Vorbild für eine neue epische Erzählweise bei Handke.

Stets hat Peter Handke sein Schreiben auch als archäologische Auseinandersetzung mit einer ästhetischen Tradition begriffen, zu der neben Goethe und Stifter die moderne Landschaftsmalerei und das Kino John Fords gehören. Einen für Handke und die Narratologie gleichermaßen bedeutenden Aspekt hat die Forschung bislang nicht beachtet: die romanische Architektur des Mittelalters als Vorbild für eine neue epische Erzählweise. Thorsten Carstensen zeigt, wie Handke in den großen Reiseerzählungen seines Spätwerks (»Die Wiederholung«, »Mein Jahr in der Niemandsbucht«, »In einer dunklen Nacht«, »Der Bildverlust«, »Don Juan«) mythische Urbilder des Daseins variiert, die er in den Skulpturen der Romanik aufbewahrt sieht. Anmut und Hingabe, Gelassenheit und Enthusiasmus – Gesten und Mimik romanischer Skulpturen verweisen für Handke auf ein ungebrochenes Verhältnis zur Welt, die er in seinen Texten beharrlich zu rekonstruieren versucht. Zugleich begegnet seine romanische Epik der exzessiven Beschleunigung des Lebens in der Spätmoderne mit Phantasien der longue durée, in der Gegenwart und Erinnerung zu einer heilsamen Zeiterfahrung zusammenfließen

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AUTORBIOGRAPHIE
Avital Ronell ist Professorin für Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik und Anglistik und Co-Direktorin des transdisziplinären Forschungsprogramms »Trauma & Violence« an der New York University.
Veröffentlichungen u.a.: Loser Sons (2012); Fighting Theory (2010).

KURZTEXT
Eine Auswahl ihrer einflussreichsten Essays  der großen New Yorker Philosophin und Literaturtheoretikerin in deutscher Sprache.

Avital Ronell ist eine der führenden Literaturwissenschaftlerinnen der USA, die in ihren Werken eine große Spannweite an literatur- und kulturtheoretischen Themen behandelt. Ob sie über die Frage der Dummheit (»Stupidity«, 2001) schreibt oder über das soziopathische Phänomen der Sucht (»Crack Wars«, 1993), stets entzündet sich in Ronells Texten der Funke der Erkenntnis an der fortlaufenden Befragung der Theorie durch die Dichtung, allen voran durch die dekonstruktive Relektüre kanonischer Texte deutschsprachiger Literatur. Der Band präsentiert sieben ihrer wichtigsten Essays erstmals in deutscher Sprache: Neben Klassikern dekonstruktiver Lektürepraxis wie dem Essay zu Kafkas »Schloß« oder Basistexten avancierter feministischer Literaturtheorie wie der Studie zu den Frauenfiguren in Goethes »Tasso« zeigt der Band auch, dass Ronells unzeitgemäße Forschung die gegenwärtige Diskussion um die Verbindung von Literatur und ‘Immunität‘ schon in den frühen neunziger Jahren im Zeichen von AIDS antizipierte.

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AUTORBIOGRAPHIE
Vivian Liska, geb. 1956 ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur und Direktorin des Instituts für Jüdische Studien an der Universität Antwerpen. Veröffentlichungen u.a. Giorgio Agambens leerer Messianismus (2008).

KURZTEXT
Analysen über das Verhältnis von »Deutschsein« und Judentum bei deutsch-jüdischen Schriftstellern der Moderne.

Welche Bedeutung haben die jüdischen Wurzeln für das Schreiben deutsch-jüdischer Autoren der Moderne wie Franz Kafka, Else Lasker-Schüler oder Robert Schindel? Ausgehend von Kafkas komplexem Verhältnis zum Judentum und zum Begriff der Gemeinschaft allgemein untersucht Vivian Liska die ambivalenten Reaktionen dieser Autoren auf geschlossene religiöse, ethnische und ideologische Gruppen. Sie zeigt, dass diese Ambivalenz zur Ausbildung innovativer Schreibformen führte. In Auseinandersetzung mit den erfahrenen schmerzhaften Ein- und Ausgrenzungen brachten die Schreibformen ihrerseits neue, ungewöhnliche Gemeinschaften hervor.

Die Autorin untersucht Werke von Franz Kafka, Else Lasker-Schüler, Walter Benjamin, Nelly Sachs, Paul Celan, Ilse Aichinger, Robert Schindel, Doran Rabinovici und Robert Menasse und demonstriert, wie ihre Literatur etablierte Ideen von Gemeinschaft unterläuft, erweitert oder rekonfiguriert. Liskas scharfsinnige Analysen und herausfordernde Thesen bieten Einsichten zu einem ebenso aktuellen wie kontroversen Thema. 

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AUTORBIOGRAPHIE
John T. Hamilton, geb. 1963, ist Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Harvard University; vormals Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Veröffentlichung u.a.: Soliciting Darkness: Pindar, Obscurity, and the Classical Tradition (2004).

KURZTEXT
Eine scharfsinnige Studie über die Verbindung von Musik und Wahnsinn auf linguistischer und kulturhistorischer Ebene.

Was hat eine hochgradig raffinierte Kunstform wie die Musik mit mentalen Störungen zu tun? Reflexionen über die Macht der Musik umfassen nicht nur die Bereiche der Ästhetik und Kunst, sondern auch die der Pathologie und Psychologie: In der Literatur lässt sich die Nähe von Musik und Wahnsinn als transhistorisches und auch transkulturelles Phänomen lesen.

Mit Schwerpunkt in der Epoche der deutschen Romantik befasst John T. Hamilton sich mit der Ausarbeitung der Beziehung zwischen musikalischer Kunst und psychologischen Prozessen. Anhand zahlreicher Beispiele der Literaturgeschichte (u. a. Herder, Kleist, E.T.A. Hoffmann) zeigt er Analogien in Motiven, Figuren und Begriffen, die die Faszination für die Macht der Musik zutage treten lassen. Die Beständigkeit dieser Faszination erfordert einen breiteren Blick, der sowohl die zentrale Fragen aufrufenden antiken Quellen einbezieht, als auch deren reiches Nachleben in Literaturkritik, ästhetischen Theorien und in der Sprachphilosophie.

notwendigkeit

AUTORBIOGRAPHIE
Thomas Stachel, geb. 1975, Studium der Germanistik, Philosophie und Politischen Wissenschaften in Heidelberg, Leipzig, New York und Berlin,  Lehrbeauftragter am Department of German der New York University.    

KURZTEXT
Sehnsucht nach Ordnung und externer Leitung: Schillers Werk aus einer neuen Perspektive.

Das populäre Bild Friedrich Schillers wird vielfach durch die Assoziation mit leuchtenden Begriffen wie »Freiheit« und »Autonomie« geprägt. Thomas Stachel weist hingegen in seiner Untersuchung Schillers Faszination für die Idee notwendiger Ordnung und ein Verlangen nach Leitung und Beschränkung für das Gesamtwerk nach.

In philologischer Detailarbeit führt er von Schillers anthropologischen Frühschriften über die Phase metaphysischer Desillusionierung hin zur Erschließung neuer »Notwendigkeitsquellen« aus den Schriften Kants für die Historiographie und die Theorie der Tragödie. In einzelnen Kapiteln zur Wirkungsästhetik, zur Idee der Form und zu den großen Essays rekonstruiert Stachel das komplizierte Nebeneinander alter und neuer »Notwendigkeits-Muster«. Den Abschluss bildet eine Neudeutung der »Wallenstein«-Trilogie als Drama der »Sehnsucht, bestimmt zu werden«.

Kant

AUTORBIOGRAPHIE
Peter Fenves, geb 1960, lehrt Germanistik, Komparatistik, Philosophie und Judaistik und ist Professor für Literatur in Evanston (USA). Veröffentlichungen u.a.: Chatter: Language and History in Kierkegaard (1993), Arresting Language: From Benjamin to Leibniz (2001), The Messianic Reduction: Walter Benjamin and the Abstention from Philosophy (2009).

KURZTEXT
Kant als Wegbereiter einer modernen »Geo-Ethik«: neue Blicke auf sein Spätwerk. 

Peter Fenves rekonstruiert zum ersten Mal Kants nachkritische Schriften als philosophische und politische Projekte eigenen Rechts. Er erläutert, wie präzise Kant die These vom »radikal Bösen« konzipiert, entfaltet und verkompliziert - eine These, die zum Ausgangspunkt des gesamten Spätwerks avanciert. Ebenso untersucht der amerikanische Literaturwissenschaftler Kants Antithese des »radikal Bösen«, der zufolge die Menschen auf der Erde nur existieren, um einer anderen Art oder Rasse von Menschen den Weg zu ebnen. Demzufolge hätten die Menschen nicht das Recht, die Erde für sich zu beanspruchen und unter sich aufzuteilen; eher bereiteten sie den Globus für dessen legitime Eigner vor. Mit dieser These wird Immanuel Kant zum Wegbereiter einer modernen »Geo-Ethik«. 

DER ÜBERSETZER
Thomas Schestag, geb. 1956, Privatdozent für Germanistik und Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Veröffentlichungen u.a.: Die unbewältigte Sprache. Hannah Arendts Theorie der Dichtung (2006).

NarzissundEros

AUTORBIOGRAPHIE
Eckart Goebel, geb. 1966, seit 2005 Professor am German Department der New York University. Publikationen u.a.: »Charis und Charisma. Grazie und Gewalt von Winckelmann bis Heidegger« (2006), »Jenseits des Unbehagens. Sublimierung von Goethe bis Lacan« (2009).

Elisabeth Bronfen, geb. 1958, Lehrstuhlinhaberin am Englischen Seminar der Universität Zürich, seit 2007 Professorin an der New York University. Publikationen u.a.: »Die Diva: Eine Geschichte der Bewunderung« (2002), »Tiefer als der Tag gedacht. Eine Kulturgeschichte der Nacht« (2008).

KURZTEXT
Die Rezeption des Narziss-Mythos von der Antike bis zu Steven Spielberg. 

In Ovids »Metamorphosen« stirbt der selbstverliebte Jüngling vor seinem Spiegelbild. Kann der antike Mythos ein Schlüssel sein, die heutige My-Space-Generation zu verstehen, die ihr Image vor dem Spiegel des World Wide Web kreiert? Medien-, Kunst-, Kultur- und Literaturwissenschaftler studieren die Rezeption des Narziss-Mythos von der Antike bis zu Steven Spielberg. Der Akzent wird auf Vorgänge der Übersetzung gelegt. Thematisiert wird der Übergang vom Bild zum Text und umgekehrt, aber auch das Phänomen (narzisstischer) Übertragung, das in der Begegnung zwischen Menschen zu beobachten ist, in der Freundschaft etwa oder in der Liebe.

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AUTORBIOGRAPHIE
Eberhard Lämmert, geb. 1924, emerit. Professor für Deutsche Philologie und Allgemeine Literaturwissenschaft an der FU Berlin, u.a. Gründungsdirektor des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin, Präsident der Deutschen Schillergesellschaft in Marbach, Direktor am Forschungszentrum für Europäische Aufklärung Potsdam. Veröffentlichungen u.a.: Bauformen des Erzählens (1955), Das überdachte Labyrinth (1991), Die erzählerische Dimension. Über eine Gemeinsamkeit der Künste (1999).

KURZTEXT
Freier Schriftsteller - unternehmerischer Einzelgänger: Eine kleine Geschichte der Literatur von Goethe bis Grass. 
Der Aufstieg des Schriftstellers zu einem unternehmerischen Einzelgänger und der Entwurf einer Genie-Ästhetik zur Begründung seiner autonomen Produktivität ereignen sich in Europa am Schnittpunkt zweier Epochen: dem Übergang von einer eher statisch geordneten zu einer dynamisch bewegten Gesellschaft etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Künstler, die sich von der Auftragskunst lossagen, handeln sich für ihre Werke das Privileg, aber auch das Risiko der vollen Eigenverantwortung ein.

In einer Abfolge von Einzelstudien steckt Lämmert Stationen und Krisen der Entfaltung des freien Schriftstellers in zwei Jahrhunderten ab und untersucht dabei u. a. Werke von Schiller, Brentano, George, Heinrich und Thomas Mann, Kafka und Tucholsky. Vier Querschnittsstudien gelten schließlich der sich in Deutschland spät entfaltenden Großstadtliteratur, dem Regress des Schreibens unter Diktaturen und parallel dazu dem Exil als einer geradezu prototypischen Lebensform dieser Epoche und runden mit einem Blick auf die neuen Kommunikationsformen der Literatur das Profil des freien Schriftstellers als eines Phänotyps dieser Epoche ab.

PRESSESTIMMEN

»Es ist ein Buch über die Pflicht und die Last des modernen Autors, ein Originalgenie zu sein, von Goethe über Brentano, Hoffmann und Eichendorff bis Thomas Mann und darüber hinaus, eine neugierige, aber nicht hämische Revision der rhetorischen Phantasien seiner Majestät, des Ich: “Hermann Hesse ­ Einzelgänger für Millionen³. Zudem ist dieses Buch ein Plädoyer für die Lust an der Lehre, für Deutsch   als eine Wissenschaftssprache, die den Kontakt zur Urbanität eines gelungenen Seminars, einer gelungenen Vorlesung nicht verliert.«(Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung, 19./20. September 2009)

»Lämmert legt ein überaus lesenswertes Buch vor für alle, die sich mit der Selbstfindung und Positionsbestimmung des Schriftstellers sowie seiner Suche nach ökonomischer Unabhängigkeit in der Neuzeit beschäftigen möchten. Die gesammelten Studien, allesamt brillant und inspirierend (auch dann, wenn sie zum Widerspruch reizen), zeigen auf, wozu wir die Literaturwissenschaft brauchen und was sie zu leisten vermag.«